Seine Asche

Es hörte sich an, als ob etwas Dumpfes gefallen sei. Die Knechte der Sieger warfen Spielkarten, Zigaretten und Zahnstocher weg, mit denen sie sich die Zeit ihres Wachdienstes vertrieben hatten, griffen zu Helm, Koppel und Schlagstock und stürmten den langen, düsteren Gefängnisflur entlang zur Zelle des Besiegten. Durch das Guckloch hindurch erblickten sie den letzten Häftling des riesigen Gefängnisses: Der alte Mann lag seltsam verkrümmt auf dem Boden. Seine Hände waren gegen den Leib gepreßt. Er stöhnte. Da rissen die Knechte die Zellentüre auf, packten den Greis mit derben Fäusten und schoben ihn auf das niedrige Bett. Flüche erklangen. Alarm wurde ausgelöst. Kommandos erschallten. Waffen klirrten. Schritte polterten durch das alte Gebäude.

Doch bevor die Woge des Lärms die Zelle des Besiegten erreicht hatte, öffnete dieser noch einmal seine Augen. Mit seinem Arm machte er eine Bewegung, als wolle er etwas beiseite schieben. Und dann huschte es über sein Gesicht, das war wie ein stilles, kleines Lächeln. Seine Lippen bewegten sich, und wenn nur einer der Knechte seine Sprache verstanden hätte, hätte er die Worte des Sterbenden vernehmen können „Steht auf und macht Euch frei!“

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